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für Patienten
Diese Homepage wurde für Zahnärzte, Ärzte, Psychologen und andere Fachpersonen geschaffen, die aktuelle Informationen zu psychosomatischen Themen der Oralmedizin (Zahnmedizin; Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde) suchen.
Da über Suchmaschinen im Internet (z.B. Google) über die allgemeine Eingabe von z.B. „Zahnmedizin UND Psychosomatik“ diese Homepage ganz oben in der Auflistungen der mehr als 100.000 Eintragungen aufgeführt wird, kann davon ausgegangen werden, dass auch viele Nicht-Fachpersonen oder Patienten mit speziellen Problemen diese Website aufsuchen. Deshalb soll in diesem besonderen Abschnitt der Homepage „Psychosomatik der Oralmedizin“ für alle Interessierten eine allgemein verständliche Darstellung dieser Sicht der (Zahn-)Medizin gegeben werden. Im Text werden Hinweise auf besondere Informationen auf dieser und anderer Homepages durch Unterstreichung als aktiver Link zur schnellen Weiterleitung kenntlich gemacht.
Zur Verantwortung des Inhaltes der Links wird auf die Hinweise unter "Impressum" verwiesen.
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Psychosomatische Medizin - was ist das?
Psychosomatische Medizin ist kein spezielles Fachgebiet der Medizin, sondern eine alle Fachgebiete der Medizin betreffende Sichtweise, körperliche (somatische), seelische (psychische) und soziale Aspekte der Krankheiten in einem Zusammenhang zu sehen. Neue Forschung belegt, dass diese Ursachen wesentlich für die Entstehung und den Verlauf einer Krankheit sind. Daraus folgt eine wissenschaftlich begründete, ganzheitliche Sicht der Medizin.
Zahnmedizin und Psychosomatik
Zahnmedizin wird noch immer als eher technisch-somatische Profession verstanden. Dabei wird aber übersehen, dass auch in der Zahnmedizin psychosoziale Ursachen eine wesentliche Rolle spielen können. Schon allein der Gang zum Zahnarzt ist für Viele ein Problem. Angst ist kein mechanistisch erklärbares Phänomen. Vom Zahnarzt wird Verständnis erwartet und damit auch psychologische Kompetenz. Chronische Schmerzen, Prothesenunverträglichkeit, ästhetische Probleme sind ebenfalls Bereiche, die deutlich machen, dass auch die Zahnmedizin sich einer biopsychosozialen Sichtweise öffnen muss. „Am Zahn hängt noch ein ganzer Mensch“ - nur wenn der Zahn allein zur Behandlung kommen könnte, müsste sich der Zahnarzt nicht um den ganzen Menschen kümmern.
Eine psychosomatisch orientierte Zahnmedizin kann dem Patienten durch eine einsichtige Ergründung psycho-sozialer Faktoren, die einen wesentlichen Einfluss auf Entstehung, Verlauf und Bewältigung der Erkrankung haben, neue Wege eröffnen zu Erkenntnissen über seine Krankheit und sinnvollen Therapien. Eine psychosomatische Grundkompetenz wird bisher im normalen Studiengang den Zahnärzten nicht vermittelt. Es besteht aber die Möglichkeit, dieses Wissen durch qualifizierende Fortbildung zu erlangen. Die Zahl der Zahnärzte, die diese umfangreiche Ausbildung absolviert haben ist noch gering. Auf dieser Homepage wird eine laufend aktualisierte Liste qualifizierter Zahnärzte geführt. Nur wenige Zahnärztekammern können leider bisher über ihre Patientenberatungsstellen fachlich qualifiziert weiterhelfen. Im Problemfall können Nachfragen auch an den Autor dieser Homepage gerichtet werden oder an den Arbeitskreis Psychologie und Psychosomatik der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde.
spezielle Aspekte der Zahnmedizin
Kaufunktionsstörungen, Kiefergelenkknacken
Kaufunktionsstörungen [Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD)] können die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Insbesondere wenn diese Funktionsstörungen mit Kiefergelenkknacken oder -geräuschen einhergehen, vermuten Patienten häufig folgenschwere Erkrankungen. Eine genaue Untersuchung und Diagnostik bei speziell ausgebildeten Zahnärzten ist ratsam. Mechanistische Gründe für diese Störung werden häufig überbewertet und dann übertherapiert. Stress (Disstress) scheint der eigentliche Auslöser zu sein. Weitere Informationen zur CMD sind auf der Website CMD-Therapie zu finden.
Kiefer- und Gesichtsschmerzen
In der ärztlichen oder zahnärztlichen Praxis erscheinen oft Patienten mit der Verdachtsdiagnose "Trigeminusneuralgie", mit einem Symptombild, das nicht den klassischen Zeichen der Neuralgie entspricht. Dieses Krankheitsbild wird eingeordnet als orofaziales Schmerz-Dysfunktionssyndrom. Meist werden Störungen der Okklusion (der Zahnkontakte und Kieferstellung) als Ursachen genannt. Dies ist nach neueren Forschungsergebnissen aber nicht belegbar. Mehrere Faktoren scheinen ursächlich zu sein. Die eigentliche Ursache kann bisher nicht präzisiert werden. Sicher aber sind psychische Ursachen -insbesondere Stress- wesentlich. Damit erfordert die Behandlung dieses Krankheitsbildes eine eingehende psychosoziale Anamnese. Es besteht häufig Komorbidität (das Leiden an mehreren Krankeiten) mit anderen Schmerzerkrankungen.
parodontale Erkrankungen
Andauernde gingivale Entzündungen sind ein Risiko für die Entstehung einer Parodontitis. Darüber hinaus sind aber weitere Faktoren zu beachten. Stress und einschneidende Lebensereignisse müssen als Cofaktoren betrachtet werden. Stress beeinflusst die Resistenz gegenüber Infektionen. Die Parodontalerkrankungen (Gingivitis; Parodontitis; Parodontose) dürfen nach neueren Forschungsergebnissen nicht nur bakteriologisch erklärt werden.
Zahnverlust und Prothetik
Zahnverlust wird im Milchgebiss als sicheres Zeichen des Erwachsenwerdens begrüsst. Vom Erwachsenen wird der Zahnverlust aber als entwaffnend empfunden. Es wird als erstes Zeichen der Hinfälligkeit gewertet, und von der zahnärztlich-prothetischen Kunst wird die Wiederherstellung der Normalität erwartet. Dies ist oft verbunden mit dem Wunsch, das Übel mit der Verwirklichung phantasierter Idealvorstellungen ins scheinbar Positive zu verkehren und ästhetische Ideen zu berücksichtigen. Die Behandlung des Zahnverlustes und der Versorgung zerstörter Zähne durch Kronen, Brücken oder Prothesen erfordert eine Berücksichtigung der persönlichen Wünsche und Vorstellungen des Patienten und somit einen psychologischen Umgang.
Ästhetische Zahnheilkunde
Ästhetische Korrekturen des Zahnbildes haben eine zunehmende Bedeutung in der Zahnheilkunde. Durch Werbung und zahnärztliche Publikationen, wird suggeriert, dass nur ein „schönes“ (d.h. uniformes, weisses) Zahnbild als attraktiv gewertet wird und damit privaten und beruflichen Erfolg garantiert. Untersuchungen zur Attraktivität belegen aber, dass dem idealisierten Zahnbild keine besondere Bedeutung bei der Fremdeinschätzung der Attraktivität zugemessen werden kann. Eigen- und Fremdwahrnehmung differieren erheblich. Ein gestörtes Selbstwertgefühl scheint ein wesentliches Motiv für kosmetische Korrekturen zu sein und müsste besonders beachtet werden. Damit stellt sich die Frage, ob psychotherapeutische Behandlung bei vermindertem Selbstwertgefühl nicht körperlich verändernden Therapien vorangestellt werden sollte.
s.a. Peter Schneider: Die Globalisierung des amerikanischen Gebisses [Publikationen/ allg. Texte]
Ernährung und Pflege
Es ist bemerkenswert, dass trotz allgemeiner Kenntnis über die Wichtigkeit oraler Hygiene und Ernährung für die Vermeidung von Karies noch immer Viele in nur ungenügendem Ausmass die Zähne putzen und auch bei der Ernährung kariogene Substanzen kaum meiden. Hier spielen psycho-soziale Gründe eine wesentliche Rolle. Aufklärung (insbesondere im Kindergarten und in der Schule), regelmässige Kontrolluntersuchungen (Prophylaxe) und professionelle Zahnreinigung haben bereits zu einer deutlichen Verminderung der Kariesentstehung geführt. Noch können aber nicht alle Bevölkerungsgruppen genügend motiviert werden, sodass die Gesundheitsfürsorge weiter verbessert werden müsste.
Zahnfehlstellungen (Kieferorthopädie)
Seit Struwwelpeters Zeiten werden Daumenlutschen, Nägelbeissen, Lippensaugen und ähnliche Habits als kindische Unarten mit erzieherischer Macht bekämpft. Solche Angewohnheiten können Stellungsänderungen der Zähne hervorrufen. Bei Zahn- und Kieferfehlstellungen, wie auch bei anderen Haltungsschäden des Körpers, muss deshalb mehr als bisher bedacht werden, dass sie auch psychisch bedingt oder verstärkt sein können. Nur bei entsprechender Berücksichtigung und Therapie sind gute Erfolge bei der Zahnregulierung zu erwarten, weil dann zum einen die Ursache solcher Fehlstellungen behoben und zum anderen eine ungestörte Mitarbeit ermöglicht wird. Da zunehmend auch Störungen der Selbstwahrnehmung körperlicher Erscheinungen (körperdysmorphe Störung, s.a. ästhetische Zahnheilkunde) -oft hinter ästhetisch-kosmetischen Behandlungswünschen versteckt- Jugendliche und Erwachsene dazu führen, dass sie sich ihre Zähne richten lassen wollen, sind psychosomatische und ggf. psychotherapeutische Kenntnisse vom Zahnarzt und Kieferorthopäden gefordert.
Zungen- und Mundbrennen
Zungen- und Schleimhautbrennen werden als lästige bis quälende Missempfindung überwiegend von Patientinnen nach der Menopause geschildert. Als Ursache werden häufig mechanische, chemische, hormonelle und somatische Faktoren vermutet. Eine eindeutige Ursache konnte aber bisher wissenschaftlich nicht nachgewiesen werden. Mehre Gründe gleichzeitig scheinen zu diesem Krankheitsbild zu führen. Immer sind aber psychische Ursachen als wesentliche Faktoren zu beobachten.
Zahnbehandlungsängste
Zahnbehandlungsängste sind nicht angeboren, sondern werden erlernt. Die meisten Menschen, die davon betroffen sind, geben an, dass die Ängste schon in der frühen Kindheit ihren Anfang hatten. Die häufigste Ursache ist eine Zahnbehandlung, die als traumatisch empfunden worden ist. In diesen Fällen ist das Verhalten des Zahnarztes eher ausschlaggebend, als die eventuellen Schmerzen bei der Zahnbehandlung. Zahnärzte werden von diesen Patienten häufig als unsensibel, aufbrausend, gewalttätig, den Willen des Patienten missachtend und wenig kommunikativ bezeichnet. Wenn die Ängste im Erwachsenenalter entstanden sind, spielen Schmerzen und mangelndes Verständnis des Zahnarztes die wichtigste Rolle. Etwa jedes vierte Kind, das unter Zahnbehandlungsängsten leidet, hat keine eigenen Erfahrungen mit Zahnärzten, sondern hat die Angst bekommen, weil es Horrorgeschichten von anderen Menschen in der Umgebung mitbekommen hat. Vor allem wenn die Mutter des Kindes von Zahnbehandlungsangst betroffen ist, kann das Kind Ängste entwickeln, ohne dass es selbst negative Erfahrungen dieser Art gesammelt hat. Traumatische Erfahrungen bei anderen Ärzten oder im Krankenhaus können zu Zahnbehandlungsängsten führen. Personen, die schon unter anderen Ängsten leiden oder andere psychische Probleme haben, sind aber besonders verletzbar, wenn sie beim Zahnarzt sind. Deshalb hat eine Mehrheit der Menschen mit Zahnbehandlungsphobien auch andere psychische Probleme. Die Vermeidung von Zahnarztbesuchen führt zu einem Teufelskreis, wo der Zustand der Zähne verfällt und die Ängste stärker werden. Akute Zahnarztbesuche in Schmerzfällen führen häufig zu weiteren traumatischen Behandlungen, die die Ängste verstärken. Der zunehmende Verfall der Zähne führt häufig zu psychosomatischen Beschwerden und verursacht eine wachsende Zahl von Krankschreibungen. Zahnschmerzen werden häufig nur noch mit Schmerztabletten bekämpft. Manchmal wird ein fast chronischer Schmerzzustand lieber in Kauf genommen als zum Zahnarzt zu gehen [Text nach M. Mehrstedt]. Der Umgang mit Angstpatienten erfordert eine psychosomatische Grundausbildung der Zahnärzte, die bedauerlicherweise noch immer nicht in den Studiengang der Zahnmedizin integriert ist. Sie ist aber jetzt als qualifizierte Fort- und Weiterbildung möglich. Qualifizierte Zahnärzte sind auf dieser Homepage gelistet.
Weitere Informationen: Publikationen auf dieser Homepage und auf den Websites von Prof. Dr. Peter Jöhren; Dr. Peter Macher; Dr. Mats Mehrstedt
Ausbildung
Im Studium der Zahnmedizin wird nur an sehr wenigen Universitäten den Studenten qualifiziert ein Wissen vermittelt, dass Psychosomatische Medizin bzw. biopsychosoziale Medizin integriert. Eine postgraduelle Ausbildung in „Psychosomatischer Grundkompetenz“ (entsprechend der ärztlichen Weiterbildung „Psychosomatische Grundversorgung“) ist heute aber für alle Zahnärzte durch eine qualifizierende Fortbildung über die Akademie Praxis und Wissenschaft der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde möglich. Doch nur etwa 60 Zahnärzte in Deutschland sind bisher entsprechend qualifiziert.
Therapiekonzepte
Der alte Streit, ob psychoanalytische oder verhaltensmedizinische Konzepte bei der Behandlung zahnmedizinisch psychosomatischer Erkrankungen sinnvoll sind, ist nicht mehr zeitgemäss. In der Regel wird eine Verbindung beider Konzepte sinnvoll sein. Darüber hinaus ist die Berücksichtigung der evidenzbasierten Erkenntnisse der somatischen Medizin wichtig, um die Einordnung psychischer und somatischer Ursachen der Krankheit richtig einschätzen zu können und daraus wirksame Therapiekonzepte zu entwickeln. Die optimalen Therapiekonzepte werden durch die persönlichen Krankheitsbedingungen begründet. Der qualifiziert ausgebildete Zahnarzt kann wirksame Konzepte individuell vorschlagen.
Zahnarztsuche
In den Medien (Zeitungen, Branchenverzeichnissen, Telefonbuch, Internet) bieten heute viele Zahnärzte Hilfe an bei Problemen, die eigentlich psychosomatisch bzw. biopsychosozial einzuordnen wären. Selten sind sie dafür nach wissenschaftlichem Verständnis qualifiziert ausgebildet. Die oft plakative Werbung spricht für (oder eigentlich: gegen) sich. Vertrauen Sie bei der Suche nach einem kompetenten Behandler eher auf Institutionen, die neutral aber wissenschaftsorientiert beraten. Die auf dieser Homepage unter qualifizierte Zahnärzte gelisteten Zahnärzte sind durch ihre Ausbildung geprüft auf psychosomatische Kompetenz. Diese Liste wird fortlaufend ergänzt. Für Patienten mit Zahnbehandlungsängsten finden Sie eine spezielle Liste auf der Webseite Oralophobie.Auch die psychosomatischen Arbeitsgruppen der Fachgesellschaften können bei der Zahnarztsuche behilflich sein. Sie werden ggf. auch weitere wohnortnahe Zahnärzte nennen können, die qualifiziert sind. Bedauerlicherweise sind noch nicht alle Beratungsstellen der Zahnärztekammern hinreichend besetzt für eine kompetente Beratung für psychosomatische Problemfälle (lt. Umfrage Mitte 2006).
Wissenswertes finden Sie auch auf auf der Webseite medizin-im-text.
In diesem Text wird generell die männliche Bezeichnung der Begriffe als geschlechtsneutrale Bezeichnung verwendet. Sie bezieht männliche und weibliche Formen ohne Wertung ein.
Fragen zum Inhalt dieser Patienteninformation können Sie an den Autor dieser Website richten. Bitte geben Sie als Betreff in Ihrer Anfrage "Homepage Oralmedizin" an, um nicht durch den Spamfilter zu fallen.

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